Materialien in der Prothetik

NEM - Nichtedelmetall-Legierungen

Nichtedelmetall-Legierungen sind, wie der Name schon verrät, edelmetallfrei.

Sie bestehen in wechselnden Anteilen hauptsächlich aus Chrom, Kobalt und Molybdän.

 

Beigemengt sind dieser Legierungsart oft Silizium und andere feste Bestandteile wie Eisen, Wolfram, Mangan und Platin.

 

Alle NEM-Legierungen sind nickelfrei, also allergiearm, und biokompatibel.

NEM wird heute in der Zahnmedizin sehr oft verwendet, da es relativ preisgünstig ist und sich zudem sehr gut verarbeiten lässt.

Sie wirken silberfarben.

 

Anwendung

  • Kronen eigenständig oder unter der Verblendung
  • Brücken eigenständig oder als Brückengerüste unter der Verblendung
  • Modellgussprothesen
  • Primärkäppchen bei Teleskopprothesen
     

Vorteile

  • nur wenig Zahnhartsubstanzabtrag
  • Bruchrisiko minimal
  • verschleißfester als andere zahnärztliche Stoffe
  • preiswert (Kassenleistung)
     

Nachteile

  • ästhetisch störend im sichtbaren Bereich
  • Irritation thermisch empfindlicher Zähne
  • können in der Gebrauchszeit schwarz wirken
  • können eine Potentialdifferenz in Verbindung mit anderen MEtallen im Mund bewirken ("kurzer Schlag")

Goldhaltige Legierungen

Goldhaltige Legierungen sind wie die NEM-Legierungen Gemische aus verschiedenen Metallen.

 

Diese Legierungen werden je nach Goldgehalt in hochgoldhaltige (Gold > 90%) oder goldreduzierte Legierungen unterteilt, Gold ist jedoch immer integraler Bestandteil. Desweiteren werden Platin, Silber, Iridium, Zink und Kupfer einlegiert. Je höher der Anteil an Zink oder Kupfer ist, desto härter ist die Goldlegierung. 

 

Für verschiedene Indikationen im zahnmedizinischen Bereich gibt es 4 verschiedene Legierungshärten: weich, mittelhart, hart, extra hart.

 

Anwendung

  • Kronen eigenständig oder unter der Verblendung
  • Brücken eigenständig oder als Brückengerüste unter der Verblendung
  • Modellgussprothesen
  • Primärkäppchen bei Teleskopprothesen
     

Vorteile

  • nur wenig Zahnhartsubstanzabtrag
  • Bruchrisiko minimal
  • verschleißfester als andere zahnärztliche Stoffe
  • weicher als andere Legierungen (Zahnirritation bei festem Aufbeißen werden minimiert) 
     

Nachteile

  • teuer (1 Gramm Gold kostet aktuell zwischen 35-38 €)
  • ästhetisch störend im sichtbaren Bereich
  • Irritation thermisch empfindlicher Zähne
  • können in der Gebrauchszeit schwarz wirken
  • können eine Potentialdifferenz in Verbindung mit anderen Metallen im Mund bewirken ("kurzer Schlag")
  • weicher als andere Legierungen (können im kaukrafttragenden Bereich schneller durchgebissen werden)

Verblendkunststoffe

Verblendkunststoffe sind Materialien auf Compositbasis, d.h. zusammengestzten Werkstoffen aus einer Kunststoffmatrix, Haftvermittler (sogenannten Silanen) und keramischen Füllstoffen wie Quarz, Glas, Keramik oder feinstteiliges Siliziumoxid.

 

Sie werden im Dentallabor auf einen NEM-,hochgoldhaltigen oder metallfreien Kern aufgebaut und anschließend lichtgehärtet sowie gebrannt.

 

Anwendung

  • Kronen in Teil- oder Vollverblendung
  • Brücken in Teil- oder Vollverblendung
  • Verblendung bei Teleskop- oder Geschiebeprothesen

Vorteil

  • gute ästhetische Ergebnisse, va im sichtbaren Bereich
  • schmelzähnlicher Glanz
  • reparierbar
  • geringe Plaqueakkumulation
  • gute Lichtreflexion
  • im Farbverlauf den Nachbarzähnen gut anzupassen (guter Opaleffekt)

Nachteil

  • weniger abrasionsstabil
  • Farbstabilität lässt mit der Zeit nach oder dunkelt nach

Keramiken

Keramiken in der Zahnmedizin bestehen aus anorganischen nichtmetallischen Silikaten und werden auch als Porzellan oder Glaskeramik bezeichnet. Sie bestehen aus Feldspat (Erdmineral), Quarz (Erdmineral), Kaolin (feinkörniges Gestein) und sind in der Morphologie ähnlich den Gläsern.

Durch Zugabe von Aluminiumoxid erhöht sich deren Festigkeit.

 

Je nach Herstellungsverfahren und Zugabe verschiedener Anteile und Zusätze in die Grundmasse gibt es verschiedene dentale Keramiken:

  • Gießkeramik
  • Presskeramik
  • Aluminiumoxid-Sinterkeramik
  • Metallkeramik (Keramik, welche mit bestimmten Metallen (z.B. NEM) Haftung eingeht (für Verblendungen)
  • Verblendkeramik
  • Schulterkeramiken (Keramiken im Zahnhalsbereich bei Kronen, Brücken)
  • Keramiken für Titanverblendung (zb bei Implantaten)

 

Anwendung

  • Kronen mit Teil- oder Vollverblendung
  • Brücken mit Teil- oder Vollverblendung
  • Kronen oder Brücken ohne Metallkern ("Vollkeramik")

Vorteile

  • ästhetisch sehr hochwertig
  • individuell den Nachbarzähnen sehr gut anpassbar
  • biokompatibel (keine Reaktion mit Mundhöhle)
  • geringste Wärmeleitfähigkeit
  • nicht allergen
  • plaque-abweisend

 

Nachteile

  • Gefahr des Abplatzens bei starken Beißen oder Knirschen
  • nicht für Prothesen geeignet (zu schwer, Reparatur schwierig)

Zirkonoxid

Zirkonoxid (Zr02) ist ein zahnfarbener, anorganischer und nichtmetallischer Hochleistungswerkstoff und ähnelt der Keramik. 

Es ist nach Zirkon die in der Natur am häufigsten vorkommende Verbindung von Circonium. 

Zirkonoxid wird in Fräszentren aus speziellen Rohlingen hergestellt und stellt heute in der modernen Zahnmedizin das Non-Plus-Ultra dar.

 

Anwendung

  • Kronen
  • großspannige Brücken
  • Primärteile für Teleskop- und Konuskronen
  • Inlays, Onlays
  • Veneers
  • Abutments für Implantate

Vorteile

  • zahnfarben
  • extrem belastbar
  • plaqueresistent
  • zahnfleischfreundlich 
  • hohe Widerstandsfähigkeit gegen thermische, mechanische und chemische Einflüsse

Nachteile

  • etwas preisintensiver und keine Kassenleistung
  • soll bei Knirschen nicht eingesetzt werden
  • Überempfindlichkeit gegen Zirkon ist möglich

Prothesenkunststoffe

Prothesenkunststoffe bestehen in der Regel aus Methacrylsäuremethylester (MMA), synthetischen chemischen Substanzen, mit der gleichen angehängten chemischen Wirkgruppe (Acrylgruppe), welche zunächst als Pulver (Polymer) und Flüssigkeit (Monomer) vorliegen.

Werden diese verarbeitet und ausgehärtet, entsteht Polymethylsäuremethylester (PMMA).

 

Je nach Temperatur (kalt,- heiß- oder lichthärtend), Dauer und Druck des Polymerisationsvorganges entstehen somit PMMA-Werkstoffe mit unterschiedlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften.

 

Jedoch wird nicht der gesamte Monomeranteil umgesetzt. Es verbleibt ein gewisser Restmonomergehalt. Dies kann für einige Patienten sensibilisierend wirken und bei Dauertragen zu einer Allergie auf Prothesenkunststoffe führen.

 

Weichbleibende Kunststoffe sind PMMA-Alternativen (Luxene). 

Bei Patienten mit PMMA-Allergie kann dieser Werkstoff trotz seines Gehaltes an MMA (ca 8%)  eingesetzt werden. Der Großteil besteht hier aus Polyvinylchlorid (PVC) und Vinylacetat. 

 

Anwendung

  • Teilprothesen (Interims,- fertige Prothesen)
  • Vollprothesen
  • Modellgussprothesen
  • Geschiebeprothesen
  • Teleskopprothesen

Vorteile

  • glatte Oberfläche
  • für viele Indikationen in der herausnehmbaren Prothetik
  • durch die Farbgebung der natürlichen Zahnfleischfarbe angeglichen
  • schnelle Reparaturmöglichkeit
  • preiswert

Nachteile

  • Sprunggefahr
  • Allergisierung möglich
  • alternder Kunststoff kann sich verfärben