Kieferknochen

Ein wichtiger Faktor, um Zähne dauerhaft zu halten.

Allgemein

Der Kieferknochen ist der zahntragende formende Anteil des Zahnhalteapparates.

 

Ihm fallen wichtige Aufgaben zu. Er fasst die Zähne, gibt ihnen bei Kaudrücken bis zu 80 kg pro cm2 ausreichend Halt, er formt unser Gesicht und führt große Teile des Gesichtsnerven (N. trigeminus). An ihm sind wichtige Muskelgruppen, wie die  Kau,-, Gesichts- und Halsmuskeln aufgehangen.

 

Bakterielle und virale Infektionen des Knochens führen zu weitreichenden Folgeerscheinungen, angefangen mit der Lockerung und dem Verlust der Zähne, aber auch körperlichen Beeinträchtigungen.

Parodontitis

Parodontitis ist die korrekte Bezeichnung für den umgangssprachlich bekannten Begriff „Parodontose“.


Sie ist eine infektiöse entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates mit kontinuierlich fortschreitendem Gewebeverlust und Verlust des Kieferknochens. Sie verläuft chronisch und fortschreitend, oft sin nur einzelne Zahnseiten betroffen.

 

Eine Parodontitis entsteht sehr oft aus einer Gingivitis und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Deshalb ist Prophylaxe und tägliches gründliches Reinigen der Zähne, des Zahnfleisches und auch der Zunge so elementar wichtig.

Ursachen


Werden die Ursache einer Gingivitis, nämlich die Plaque und der Zahnstein,  nicht erfolgreich bekämpft, lagern sich in spezifischer Reihenfolge weitere Keime in die Plaque ein, sogenannte Parodontitisbakterien, welche aus mehreren Spezies bestehen (4 sind hauptverantwortlich). 


Die aggressiven Parodontitisbakterien leben ohne Sauerstoff und sind in der Lage, unter bestimmten Umständen unter das Zahnfleisch zu wandern. Hier ist es warm, feucht und sauerstoffarm, ein idealer Nährboden.


Sie zerstören das umliegende anheftende Zahnfleisch und wandern am Zahn entlang in die Tiefe. Sie bilden eine sogenannte „Tasche“. Wenn sie den Knochen erreicht haben, wird dieser durch die potenten Toxine zerstört. Gleichzeitig führt die körpereigene Immunabwehr zu einer weiteren Zerstörung des Gewebes.

 

Die Folge ist ein Rückgang des Kieferknochens mit Lockerung der Zähne, im Extremfall führt sie zu einem Zahnausfall.

 

Die Deutsche Mundhygienestudie DMS von 2010 des Institues der deutschen Zahnärzte (IDZ) belegt mit deutlichen Zahlen, dass Parodontitis von vielen Patienten nicht oder nur unzureichend wahrgenommen wird und in Deutschland weiterhin eine mangelnde Aufklärung über diese Erkrankung herscht. Laut dieser anerkannten Studie stieg die mittelstarke Parodontitis um 8,3% bei Senioren und 20,5% bei Erwachsenen an. Die starke Parodontitis wies eine Anstieg um 6,4% bei Erwachsenen und 15,3% bei Senioren auf. Dies erklärt sich mit dem parallel dazu stattfindenden Rückgang der Karies und dem damit verbundenem längeren Zahnerhalt. Da Zahnanzahl und Parodontitis in positiver Korrelation zueinander stehen, bedeutet dies für die Zukunft, dass Parodontitis weiter steigen wird

 

Aus: Parodontitis 2010 Risikokompendium der deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP)

 

Weitere Faktoren   

                    

Neben dem Hauptfaktor, dem bakteriellen Zahnbelag, gibt es weitere Ursachen, die eine Entstehung von Parodontitis beeinflussen:

  • Genetische Faktoren 
  • Rauchen mit den besonderen Kennzeichen:
    • höhere Taschentiefen und mehr befallene Zähne
    • mehr Attachmentverlust, mehr Zahnfleischrückgang
    • mehr Alveolarknochenverlust
    • mehr Zahnverlust
    • weniger Ginigivitisanzeichen, weniger Bluten auf Sondieren
    • mehr Zähne mit Freiliegenden Wurzelfurkationen
  • Diabetes mellitus 
  • Osteoporose 
  • Adipositas, Fehlernährung, Bewegungsmangel 
  • Psychische Faktoren: Stress, Depression
  • Viele Arzneimittel 

 

Parodontits als Risikofaktor


Ebenso, wie bestimmte Erkrankungen und Faktoren eine Parodontitis beeinflussen, kann auch die Parodontitis körperliche Erkrankungen auslösen. Dabei beeinflussen die Entzündungsfaktoren einer Parodontitis das körperliche Gewebe systemisch und verursachen in erster Linie Schädigungen an den Gefäßwänden von Arterien, die wiederum später in Assoziationen zu einzelnen Organerkrankungen stehen:

  • Diabetes mellitus
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Koronare Herzkrankheit) 
  • Erkrankungen der Atemwege (chronische Bronchitis, Lungenentzündungen)
  • Nierenerkrankungen 
  • Frühgeburt
  • Krebs im Mundbereich 
  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

 

Anzeichen einer Parodontitis

 

Nicht alle, aber viele Faktoren sind gleichzeitig bei einer ausgeprägten Parodontitis erkennbar. Hier ist sofortiges Handeln geboten.

  • starke Rötung, bei Rauchern kaum Blutung (Gefäßverengung)
  • teilweise lilafarbener girlanden-förmiger Saum um die Zähne
  • Zahnfleisch hebt sich ab
  • Mundgeruch
  • Mittelstarke bis starke Schwellung, bei Rauchern kaum ausgeprägt
  • Zahnstein, Konkremente
  • Stumpfe Zahnoberflächen
  • Verfärbungen
  • Schmerzen
  • Blutung deutlich erhöht, vermehrt (Zahnzwischenraum blutet zu)
  • Änderung Zahnstellung
  •  „Zahnverlängerung“ durch Zahnfleisch- und Knochenrückgang
  • Zahnlockerung
  • Zahnausfall
  • im Unterschied zur Gingivitis fortschreitender Knochenabbau